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Rhenium-188 − alles im Fluss

16.07.2007, Press releases

"Garchinger Nuklid" gelingt - in Kooperation von ITM AG und FRM II der Technischen Universität München, der Klinik für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie und der Klinik für Nuklearmedizin am Klinikum Augsburg - Vorsprung in der peripheren Verschlusstherapie.

Die Isotopen Technologien München (ITM AG), in synergetischer Ideengemeinschaft mit dem FRM II und dem Institut für Radiochemie der Technischen Universität München, entwickelt Radiopharmakon für die Behandlung peripherer Verschlusskrankheiten. Treibendes Element ist der Betastrahler Rhenium-188. In der langfristigen Behandlung peripherer arterieller Durchblutungsstörungen, im Volksmund auch "Schaufensterkrankheit" bezeichnet, wird in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Augsburg dem n e u e r l i c h e n Gefäßverschluss begegnet, eine in Deutschland einzigartige Therapieoption.

Das Herz transportiert das Blut in den Gefäßen durch den Körper. Die Arterien führen es aus dem Herz heraus, die Venen bringen es zum Herz zurück. Das ist bekanntlich die einfache Mathematik des menschlichen Organismus. Kommt es in diesem Regelkreislauf in den Arterien der Beine zu einer Verengung oder einem Verschluss, spricht die Medizin von einer arteriellen Verschlusskrankheit der peripheren Gefäße.

Ursachen für die Durchblutungsstörungen sind Arterienverkalkungen, die sich meist auf Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Nikotinkonsum zurückführen lassen. Die Volkskrankheit des peripheren arteriellen Verschlusses - im Vergleich zu anderen mit dem Herz in Verbindungen stehenden Erkrankungen oft lebensbedrohlich unterschätzt - wird in mehr als 95 % der Fälle erfolgreich mit dem "Goldstandard" der Ballondilatation, einer Gefäßerweiterung, behandelt. Voraussetzung: ein chirurgischer Eingriff ist nicht erforderlich.

Vor diesem Hintergrund: das therapeutische Handicap bei Gefäßerweiterungen der unteren Extremitäten besteht darin, dass sich die "Schaufensterkrankheit" mit der ganzen Dramatik schmerzhafter und gefährlicher Beschwerden durch einen Re-Verschluss oder, im Fachjargon: eine Re-Stenosierung, zurückmeldet. "In 23 % der Fälle geschieht dies", wie Professor Dr. Klaus Bohndorf auf Studienbasis bedauert, "nach einem halben Jahr, in 20 % der Fälle nach drei Jahren." Hier kommt der Betastrahler Rhenium-188 ins Spiel, um den Therapieerfolg dauerhafter zu sichern als bei dem vorangegangen Eingriff, der so genannten konventionellen Perkutanen Transluminalen Angioplastie, in der Klinik abgekürzt als PTA.

Hier gilt es Professor Dr. Winfried Petry, Direktor der Forschungs-Community in Garching am FRM II, zu folgen. Schmunzelnd betont er: "Am besten Sie betreiben ein wenig Etymologie. Rhenium leitet sich von lateinisch rhenus ab, der Rhein, und der geht ja noch immer seines Weges. Oder wie Heraklit sagte: alles ist im Fluss." Genau das soll bei betroffenen Patienten, die an femoropoplitealen Neuverschlüssen - an Verengungen der unteren großen Arterien in den Beinen - durch die radiopharmazeutische Behandlung gesichert werden.

"Das Verfahren", formuliert der Vorstandsvorsitzende Oliver Buck der ITM AG, "liegt in den Händen hoch spezialisierter Radiologen und Medizinphysiker und wird sicher und schnell angewandt." Das flüssige Rhenium-188 wird im Rahmen einer Angiographie - einer Durchleuchtung der Gefäße - in einem Ballonkatheter an der betroffenen arteriellen Verschlussstelle positioniert, wo es meist in zehn Minuten seine "heilende" oder nuklearmedizinische Wirkung tut und abschließend wieder vollständig entfernt wird.

"Nach dieser so genannten endovaskulären Brachytherapie", wie Privatdozent Dr. Walter Wohlgemuth, Oberarzt der Abteilung für Radiologie am Zentralklinikum Augsburg, entschieden bemerkt, "haben wir unser Ziel, die konventionelle PTA zu übertreffen, schon erreicht. Indem wir nicht nur der Re-Stenosierung langfristig vorbeugen, sondern auch anderen mit Gefäßverschlüssen in Zusammenhang stehenden risikoreichen Herzerkrankungen."

Wie erfolgreich das Einbringen des Radiopharmazeutikums Rhenium-188 in den Ballonkatheter und das Bestrahlen der Gefäße ist, lässt sich an dem regen Interesse nationaler, aber auch internationaler Experten der Strahlentherapie ablesen.

Die ITM Rhenium-PTA© aus Garching stellt in der medizinischen Community einen hoch innovativen Therapieansatz dar und bedeutet für die bis heute behandelten Patienten einen nachweislich signifikanten therapeutischen Mehrwert.


Über Isotopen Technologien München AG (ITM)
Das Unternehmen ist seit 2004 in Garching ansässig und kooperiert mit dem der Technischen Universität München eingegliederten "Institut für Radiochemie und der Forschungsneutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II)". Im Mittelpunkt des Portfolios steht die Entwicklung von Produkten im Bereich der Nuklearmedizin, Radiopharmazie und des "Molecular Imaging". Hier bestehen Forschungs- und Anwendungsverbindungen unter anderem zum TUM-Klinikum Rechts der Isar, dem Klinikum Großhadern und dem Zentralklinikum Augsburg. Die ITM-Aktionärsstruktur setzt sich aus privaten Investoren und Mitarbeitern zusammen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit wachsender Tendenz.

Kontakt ITM AG:
ITM – Isotopen Technologien München AG
Oliver Buck
Lichtenbergstraße 1, 85748 Garching
Tel: 089 / 289.13908, Fax: 089 / 289.13918
oliver.buck@itm.ag, http://www.itm.ag


Die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II)
Auf dem Campus Garching betreibt die Technische Universität München im Auftrag des Freistaats Bayern seit 2005 die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz. Sie ist der Nachfolger des legendären Forschungsreaktors München (FRM), auch bekannt unter Garchinger Atomei. Der FRM II liefert intensives Neutronen-„Licht“ für Grundlagenforschung in Physik, Chemie, Geologie, Ingenieurwissenschaften und Medizin. Kommerziell bietet er die Dotierung von Silizium, zerstörungsfreie Materialprüfung und die Herstellung von Radioisotopen an. Der FRM II steht deutschen und internationalen Forschern zur Verfügung und ist durch das breite Nutzungsspektrum der Neutronenquelle weltweit einzigartig. An seiner Instrumentierung beteiligen sich Forschergruppen der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und zahlreicher deutscher Universitäten. Heute arbeiten am FRM II ca. 230 Mitarbeiter.

Kontakt FRM II:
Technische Universität München
Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II)
Prof. Dr. Winfried Petry
Lichtenbergstraße 1, 85748 Garching
Tel: 089 / 289.14965, Fax: 089 / 289.14995
winfried.petry@frm2.tum.de, http://www.frm2.tum.de

Kontakt Klinikum Augsburg:
Klink für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie
PD Dr. Walter Wohlgemuth
Stenglinstraße 2, 86156 Augsburg
Tel: 0821 / 400.2455, Fax: 0821 / 400.3312
radiologie@klinikum-augsburg.de,
http://www.radiologie-klinikum-augsburg.de

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