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Biomarker ermöglicht frühe Diagnose von Alzheimer

An der Patientin Auguste Deter beschrieb Alois Alzheimer 1901 erstmals die nach ihm benannte Krankheit.

27.06.2011, News

Ein neuartiger Biomarker könnte laut einer aktuellen Studie die Diagnose der Alzheimer-Krankheit bereits in einem sehr frühen Krankheitsstadium ermöglichen. Der neue Biomarker scheint dabei etablierten Biomarkern überlegen zu sein. Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie am Klinikum rechts der Isar der TU München veröffentlichten die Forschungsergebnisse in der aktuellen Online-Ausgabe der Zeitschrift Neurology.

„Unser Ziel ist es, bei Menschen, die eine Alzheimer-Krankheit entwickeln werden, die Erkrankung bereits in einem sehr frühen Stadium identifizieren zu können“, sagt Studienautor Privatdozent Dr. Robert Perneczky, Oberarzt und Leiter des Forschungslabors der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar. „Nur so können wir eine wirksame Therapie frühzeitig einleiten und damit hoffentlich den fortschreitenden Verfall des Gedächtnisses und der Denkfähigkeit vermeiden, der diese verheerende Krankheit kennzeichnet.“

Im Rahmen der aktuellen Studie wurden achtundfünfzig Menschen mit einer leichten kognitiven Störung untersucht. Etwa fünfzehn Prozent der Menschen mit einer solchen Störung entwickeln jährlich eine Alzheimer-Krankheit. Einige der Betroffenen werden jedoch nie an der Alzheimer-Krankheit leiden oder sogar wieder auf ein normales Niveau der geistigen Leistungsfähigkeit zurückkehren.

Drei Jahre Beobachtung

Zu Beginn der Studie entnahmen die Forscher den Patienten bei einer Punktion im Lendenwirbelbereich eine Probe des Nervenwassers, des Liquor Cerebrospinalis. Zum Vergleich wurden auch Liquorproben von 16 Patienten mit einer frontotemporalen Demenz gewonnen, einer Erkrankung, die typischerweise nicht durch Vergesslichkeit gekennzeichnet ist und auf einer vollkommen andersartigen Schädigung des Nervengewebes beruht.

Die Studiengruppe mit leichter kognitiver Störung wurde rund drei Jahre lang nachverfolgt. Dann wurde bei 21 Studienteilnehmern eine Alzheimer-Krankheit diagnostiziert, 27 Probanden litten weiterhin an einer leichten kognitiven Störung, bei acht Teilnehmern konnte keine Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit mehr nachgewiesen werden. Zwei Probanden hatten eine frontotemporale Demenz entwickelt und wurden von den weiteren Analysen ausgeschlossen.

Perneczky erläutert: „Wir haben im Liquor die Konzentration verschiedener Eiweiße mit bekanntem Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit gemessen. Dabei fanden wir bei Probanden, die später eine Alzheimer-Krankheit entwickelt haben, signifikant höhere Konzentrationen des Eiweißes ‚lösliches Amyloidvorläuferprotein beta‘ (engl. soluble amyloid precursor protein beta oder sAPP beta) als bei Studienteilnehmern, deren geistige Fähigkeiten sich nicht weiter verschlechtert haben oder die an einer frontotemporalen Demenz litten. Patienten mit Alzheimer-Krankheit zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung wiesen im Durchschnitt sAPP beta Konzentrationen von 1200 Nanogramm pro Milliliter auf, im Vergleich zu 932 bei Probanden mit stabilen oder rückläufigen Beschwerden und 630 bei Patienten mit frontotemporaler Demenz.

Die Forscher fanden auch, dass die exakteste Vorhersage einer späteren Alzheimer-Krankheit durch die Kombination von sAPP beta, dem etablierten Zelluntergangsmarker Tau und dem Alter der Probanden erzielt wurde. Diese Kombination führte in 80 Prozent der Fälle zu einer korrekten Vorhersage des Fortschreitens zur Alzheimer-Krankheit.

Besser als etablierte Biomarker

Das Eiweiß Amyloid beta 1-42 (A beta 1-42), das als etablierter Biomarker der Alzheimer-Krankheit gilt, trug hingegen in dieser Studie nicht zur Vorhersage der Alzheimer-Krankheit zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung bei.

„Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass sAPP beta im Liquor die Frühdiagnostik der Alzheimer-Krankheit verbessern und dabei dem etablierten Biomarker A beta 1-42 überlegen sein könnte“, sagt Perneczky. „Ein möglicher Grund für die Überlegenheit von sAPP beta könnte darin liegen, dass A beta 1-42 nur ein indirektes und entferntes Maß für die für die Ablagerung der charakteristischen Alzheimer-Plaques verantwortlichen Kernprozesse ist. sAPP beta hingegen ist ein Maß für die ersten kritischen Schritte und könnte daher genauere Informationen über die zentralen Abläufe des Krankheitsprozesses liefern.“

Die Forschergruppe um Perneczky arbeitet derzeit an der Evaluierung eines Verfahrens, um sAPP beta im Blut zu messen. Damit könnte erstmals ein verlässlicher Biomarker für die Frühdiagnostik der Alzheimer-Krankheit zur Verfügung gestellt werden, der kein invasives Verfahren wie eine Liquorpunktion erfordert.

Die Studie wurde vom Bund der Freunde der Technischen Universität München und der Kommission für Klinische Forschung des Klinikums rechts der Isar gefördert.

Originalartikel:
"CSF soluble amyloid precursor proteins in the diagnosis of incipient Alzheimer’s disease". Erscheint am 22. Juni 2011 in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Neurology

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