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Erleuchtung im Krallenfrosch-Ei

Wie sich Pflanzen vor dem Vertrocknen schützen

Die pflanzlichen Blattporen bestehen aus zwei Schließzellen: Wenn sie sich ausdehnen, öffnet sich die Pore. (Foto: Uni Würzburg)

13.04.2010, News

Wenn Pflanzen sich vor dem Vertrocknen schützen, laufen Prozesse ab, bei denen – ähnlich wie bei der Muskelkontraktion beim Menschen – Kalzium eine wichtige Rolle spielt. Den genauen Ablauf haben jetzt Biophysiker der Universität Würzburg geklärt, unter Mithilfe der Arbeitsgruppe von Prof. Erwin Grill vom Lehrstuhl für Botanik der Technischen Universität München (TUM).

Pflanzen produzieren während der Photosynthese Zucker. Dabei wird Wasser in Form von Wasserdampf an die Umwelt abgeben. Verantwortlich dafür sind winzige „Ventile“ an den Blattoberflächen, die aus paarweise angeordneten Schließzellen bestehen. Je nachdem, ob diese Schließzellen prall gefüllt oder vergleichsweise leer sind, ändern sie ihre Form – ähnlich wie ein Schwimmreifen, der aufgeblasen kreisrund ist, sich aber eng zusammenlegen lässt, wenn man die Luft wieder ablässt.

Auf die Pflanze bezogen, heißt das: Zwei prall gefüllte Schließzellen bilden einen Kreis und ermöglichen so die Abgabe von Wasserdampf an die Umwelt. Erschlaffen sie, schließt sich das Ventil; die Pflanze behält das Wasser im Inneren und ist so vor dem Austrocknen geschützt. Wie dieser Prozess auf molekularer Ebene abläuft, hat Dr. Dietmar Geiger, Assistent am Lehrstuhl für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik der Universität Würzburg mit Unterstützung einer Arbeitsgruppe vom TUM-Lehrstuhl für Botanik (Prof. Grill) untersucht.

 „Bei Trockenheit bilden Pflanzen ein so genanntes Trockenstresshormon, das die Schließzellpaare über eine Reaktionskette, an der auch Kalzium beteiligt ist, dazu bringt, zu erschlaffen“, so Geiger. Das „Ventil“ schließt sich und verringert so die Wasserabgabe des Blattes. Wie die Biophysiker in vorangegangenen Arbeiten herausfanden, sind an diesem Prozess bestimmte Ionenkanäle und Enzyme beteiligt, die den Prozess feinsteuern. Welche, haben die Wissenschaftler mit einer trickreichen Technik geklärt, die der Würzburger Lehrstuhl für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik vor gut zehn Jahren etabliert hat, um Ionenkanäle außerhalb von Pflanzenzellen untersuchen zu können. Zentrale Bestandteile dabei sind: Eier des Krallenfroschs und ein gelb fluoreszierendes Protein.

Aus vorausgegangenen Arbeiten war zu vermuten, dass ein ganz spezieller Anionenkanal an diesem Prozess beteiligt ist. Völlig unklar hingegen war, welches Enzym dafür verantwortlich ist, dass sich dieser Kanal für Kalzium-Ionen öffnet. In Frage kamen immerhin 34 Enzyme. Die – im wahrsten Sinne des Wortes – Erleuchtung brachte ein molekularbiologischer Trick: „Wir haben das Gen für den Schließzell-Anionenkanal an eine Hälfte des Gens für das Gelb-Fluoreszierende-Protein gekoppelt. Die andere Hälfte knüpften wir dann nacheinander an jedes der 34 in Frage kommenden Enzymgene“, erklärt Dietmar Geiger.

Die Idee dahinter: Das Gelb-Fluoreszierende-Protein wird in diesem Fall nur dann aufleuchten, wenn die mit den beiden Hälften verbundenen Proteine des Enzyms beziehungsweise des Anionenkanals in unmittelbare Nähe zueinander geführt werden. Die Eier des Krallenfroschs kamen ins Spiel, weil sie zum einen durchsichtig genug sind und sich zum anderen als „Reagenzglas“ fürs Beschicken mit Fremdgenen und Übersetzen in aktive Proteine sehr gut eignen. Tatsächlich gelang es mit dem Ionenkanal als Köder, das dazugehörige Kalzium-abhängige Enzym, eine sog. Kinase, zu identifizieren. Über den gleichen Ansatz haben die Würzburger Forscher dann auch noch das Enzym ermittelt, das den Kanal wieder abschaltet, eine sog. Proteinphosphatase.

Blieben noch die Fragen: Wie nehmen diese beiden Schaltelemente das Trockenstresshormon wahr und welcher Sensor reguliert die Aktivität des Kinase/Phosphatase-Pärchens? Um das herauszufinden, haben sich die Würzburger Forscher mit der Arbeitsgruppe von Professor Erwin Grill vom Lehrstuhl für Botanik der TU München zusammen getan. Die Münchner hatten ein Protein identifiziert, das die Phosphatase inaktiviert, wenn es das Wasserstress-Hormon gebunden hat.

Mit diesem Wissen ließ sich die Signalkette schließen: „In Gegenwart des Stresshormons wird ein Rezeptor stimuliert, der die Phosphatase hemmt. Die Kinase überträgt energiereiches Phosphat auf den Anionenkanal und schaltet ihn somit an. Der Ausstrom von Anionen zieht einen Kalium- und Wasserfluss nach sich, dabei lassen die Schließzellen Druck ab, und die Pflanze überlebt mit fest geschlossenen Stomata die Trockenperiode“, so Dietmar Geiger. Trotzdem gehen den Forschern die Fragen nicht aus: Als nächstes wollen die Pflanzenphysiologen klären, wie das Kalzium-Ion in die Zelle kommt.


Publikation:
Dietmar Geiger, Sönke Scherzer, Patrick Mumm, Irene Marten, Peter Ache, Susanne Matschi, Anja Liese, Christian Wellmann, Khaled A.S. AL-Rasheid, Erwin Grill, Tina Romeis and Rainer Hedrich: "Guard cell anion channel SLAC1 is regulated by CDPK protein kinases with distinct Ca2+ affinities”. Proc. Natl. Acad. Sci. USA, Early Edition, 12.-16. April 2010, DOI: www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.0912030107

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