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TUM-Forscher entdecken Risikogene:

MS: Wirksamkeit von Interferon-Therapie besser vorhersehbar

Durch Zerstörung ihrer Nervenhüllen wird die Beweglichkeit mancher MS-Patienten so eingeschränkt, so dass sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

14.04.2011, News

Ein Gentest könnte in Zukunft verraten, ob ein Multiple-Sklerose-Kranker auf eine Therapie mit dem Hormon Interferon-beta wahrscheinlich ansprechen wird oder nicht. Denn Neurologen der TU München haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Leipzig, Düsseldorf und Dresden herausgefunden, dass die Bestimmung dreier Gene der sogenannten HLA-Klasse II darüber Auskunft gibt, ob die Patienten eine Abwehrreaktion gegen die Therapie entwickeln werden und diese damit unwirksam wird.

Eine Forschergruppe um Prof. Bernhard Hemmer, Direktor der Klinik für Neurologie der TU München, hat zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Düsseldorf, der TU Dresden und der Universität Leipzig nachgewiesen, dass sich mittels Bestimmung des HLA-Klasse II Genotyps ein möglicher Wirkverlust der Interferon-beta Therapie bei MS-Patienten besser vorhersagen lässt. „Mit dem Test können wir bereits vor Therapiebeginn das Risiko abschätzen, ob Patienten Antikörper gegen Interferon-beta entwickeln und damit die Behandlung nach ca. zwölf Monaten unwirksam wird. Diese Information ist für die Wahl des Medikaments von großer Relevanz“, sagt Hemmer, der die Neurologische Klinik am Klinikum rechts der Isar der TU München leitet und selbst viele MS-Patienten behandelt. Interferon-beta ist seit den 1990er-Jahren zur Basistherapie der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose zugelassen.

In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Interferon-beta Schubrate, Krankheitsaktivität gemessen im MRT und Behinderungsprogression positiv beeinflusst. Allerdings entwickeln bis zu 30 Prozent der behandelten Patienten Antikörper gegen Interferon-beta, die die Wirkung des Medikaments blockieren. Es handelt sich dabei um sogenannte neutralisierende Antikörper (NABs). Entwickelt ein Patient NABs, dann profitiert er nicht mehr von einer Interferon-beta Behandlung, weil alle handelsüblichen Medikamente (Avonex, Betaferon Rebif, Extavia etc.) ihre Wirksamkeit verlieren.

„Schnell war klar, dass genetische Faktoren bei der Bildung von NABs eine Rolle spielen müssen. Unser Fokus richtete sich zunehmend auf das HLA Klasse II System, weil es nicht nur für die T zelluläre Immunität, sondern auch für die Bildung von Antikörpern eine zentrale Rolle spielt“, erläutert Hemmer. Mittels Bluttest bestimmten die Forscher bei fast 1.100 MS-Patienten zum einen die Allele des humanen Leukozytenantigen-Systems (HLA) und zum anderen die Präsenz von NABs. Alle beobachteten Patienten wurden bereits über einen längeren Zeitraum mit Interferon-beta behandelt.

Drei Risikoallele für NAB-Bildung identifiziert

Bei den NAB-positiven Patienten zeigte sich, dass drei Allele des HLA-DRB1 Genotyps vermehrt auftraten, während bei den anderen Patienten drei weitere Allele identifiziert wurden, die eine geringere Antikörperentwicklung aufweisen.

Der Effekt auf die Antikörperbildung verstärkt sich, wenn Patienten zwei dieser Risikoallele trugen. Umgekehrt waren Patienten, bei denen zwei schützende Allele bestimmt wurden, weniger von NAB-Entwicklung betroffen. „In Summe belegen unsere Ergebnisse einen starken Einfluss der HLA Allele auf die Bildung von NABs. Dieses Wissen könnte uns zukünftig helfen, frühzeitig die richtige und individuelle Therapieentscheidung für unsere Patienten zu treffen“, erklärt Hemmer.

Das Projekt wurde vom Forschungsverbund CONTROL-MS durchgeführt und im Rahmen des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Prof. Bernard Hemmer ist Vorstandsmitglied des KKNMS.

Originalpublikation
„Influence of the HLA-DRB1 Genotype on antibody development to Interferon Beta in Multiple Sclerosis“, Archives of Neurology, April, DOI 10.1001/archneurol.2011.65

Kontakt: presse@tum.de

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http://archneur.ama-assn.org/cgi/content/full/68/4/480

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